Prof. Dr. med.
Johannes Hierholzer

Chefarzt der Diagnostischen und Interventionellen Radiologie

Klinikum Ernst-von-Bergmann
Charlottenstrasse 72
14467 Potsdam

Tel.: 0331 – 241 6702
FAX: 0331 – 241 6700
Email: jhierholzer@klinikumevb.de
Impressum
Kontakt

Einleitung

Seit wann gibt es die Vertebroplastie?

 


Die Vertebroplastie wurde erstmals 1987 von Galibert und Deramond als ein Verfahren beschrieben, mit dem über die perkutane Injektion von Knochenzement effektiv Wirbelkörperschmerzen behandelt werden können (10)
In den darauf folgenden Jahren wurde dieses Verfahren mit ausgezeichneten klinischen Ergebnissen bei Patienten mit schmerzhaften osteoporotische und tumorbedingten Wirbelkörperkompressionsfrakturen eingesetzt (9); vergleichsweise wenig wurde in der Fachliteratur zunächst publiziert. Erst in den letzten Jahren hat die Methode in den USA
Und im deutschsprachigem Raum nennenswerte Verbreitung gefunden; im Jahre 2002 wurden in Deutschland schätzungsweise 1000 Interventionen durchgeführt.
Die perkutane Kyphoplastie stellt eine Modifikation der Vertebroplastie dar, in der vor Einbringung des Knochenzementes zunächst ballonassistiert eine Wirbelkörperaufrichtung und Höhlenbildung erzielt wird. Anschließend werden diese dann durch Knochenzement aufgefüllt.
Als Form der perkutanen Osteoplastie besteht das therapeutische Prinzip der VTP im Auffüllen von Knochendefekten/Osteolysen durch Injektion eines geeigneten Knochenzementes. Dieser führt über eine innere Refixierung der Trabekelarchitektur stabilitätsgefährdeter Knochenabschnitte zu einer effektiven Schmerzlinderung.

Seit wann wird die Vertebroplastie in Potsdam durchgeführt?

 

Die perkutane Vertebroplastie wird in Potsdam seit 1999 praktiziert.
Es wurde bis 2007 über 1000 Behandlungen durchgeführt.

 

Rationale der perkutanen Vertebroplastie

 

Rückenschmerzen gelten als eine der häufigsten Erkrankungen in unserer Gesellschaft überhaupt, und die Ursachen sind außerordentlich vielseitig (17).
Als eine besonders schwerwiegende Komplikation treten Rückenschmerzen bei der fortgeschrittenen Osteoporose aufgrund pathologischer Wirbelkörperkompressionsfrakturen auf (26).
Es wird geschätzt, dass bei etwa 25 – 30 % aller Frauen über 60 Jahre osteoporotische Wirbelkörperfrakturen auftreten (5).
Die WHO schätzt 4-6 Mio Osteoporosekranke in Deutschland,davon ca. 2.000.000 Frauen und ca. 800.000 Männer mit Wirbelkörperfrakturen.
40 % der postmenopausalen Frauen erleiden mind. Eine osteoporotische Fraktur.
In Anbetracht der Demographie mit Steigerung des Anteiles der über 60-Jährigen von 23% im Jahre 2000 auf 48% im Jahre 2050 wird es zu einem  deutlichen Anstieg der Osteoporose-assozierten Komplikationen kommen.
Laut Angaben der International Osteoporosis Foundation (IOF) und der ESSR steigt die  Mortalität auf 20-35 % bei Pat. mit unbehandelten Wirbelkörperfrakturen.
Bei Liegenzeiten von ca. 25 Tagen bei unbehandelten LWK-Frakturen und ca. 12 Tagen bei unbehandelten BWK-Frakturen ist ökonomisch von 4-5 Mio € Gesamtkosten pro Jahr auszugehen.

 

Überlegungen zum Wirkungsprinzip

 

Durch die Verformung des Knochens kommt es einerseits zu einer mechanischen Alteration des Periosts, dass innerhalb des Knochens die höchste Dichte an nozizeptiven C-Fasern aufweist (14).
Weitere pathophysiologische Mechanismen der Schmerzgenese wie die lokale Ausschüttung schmerzassoziierter Zytokine und Veränderungen der intramedullären Druckverhältnisse werden diskutiert (14,20).
Interessanter ist auch in diesem Zusammenhang auch die Tatsache, dass das Knochenmark, gefolgt vom Knochen selbst und schließlich vom Periost mit der höchsten Anzahl sensibler und sympathischer Nervenendigungen ausgestattet ist (14).

Zu vergessen ist auch nicht die Veränderungen in der Biomechanik der Wirbelsäule durch Kompressionsfrakturen einzelner Wirbelkörper mit Verschiebung der Schwerpunktbelastung nach ventral mit Folge weiterer Wirbelkörperfrakturen.

Welche Wirkung erzielt man nun mit der Vertebroplastie?

 

Die Durchbrechung dieser Ausschüttung von Schmerzmediatoren mittels Einbringung von Knochenzement mit Stabilisierung der Fragmentalterationen ist Ziel der Vertebroplastie.
 

Dieser Wirkmechanismus wird durch experimentelle Untersuchungen an Wirbelkörperpräparaten gestützt, wobei die Stabilität dieser Präparate durch kontrollierte Berstung untersucht wurde.
So konnte in unterschiedlichen Studien gezeigt werden, dass 1. die Stabilität der Wirbelkörper nach Zementinjektion deutlich zunimmt, dass 2. die bilaterale Zementinjektion gegenüber der unilateralen Injektion deutliche Vorteile bietet und dass 3. der Grad der Stabilität nicht proportional zum applizierten Zementvolumen verhält (3,8).  
Die klinische Erfahrung bestätigt diese experimentellen Ergebnisse, da sich der schmerzlindernde Effekt meistens direkt im Anschluss an die Intervention und mit Aushärten des Knochenzementes einstellt (3,12,16).  

Eine weitere Überlegung stellt die Erhitzung des Zementes während der Polymerisation in den Vordergrund.
Hierdurch können die Nozizeptoren des Knochens koaguliert und damit inaktiviert werden.
Eine Koagulation in Ansätzen kann man wohl auch für Tumorzellen bei pathologischen Frakturen annehmen.
Diese Punkte sind im Hinblick auf die Neuentwicklung eines Knochenzementes wichtig;
Die exotherme Reaktion der Polymerisation des Zementes wäre somit nicht ein unerwünschter sondern gerade ein notwendiger und im Hinblick auf die Wirksamkeit der Methode relevanter Aspekt der Methode.

Quelle: J. Hierholzer et al. - Die perkutane Vertebroplastie - Dtsch Med Wochenschr 2003; 128: 673-676 - Georg Thieme Verlag Stuttgart

183523 visits183523 visits183523 visits183523 visits183523 visits183523 visits