Prof. Dr. med.
Johannes Hierholzer

Chefarzt der Diagnostischen und Interventionellen Radiologie

Klinikum Ernst-von-Bergmann
Charlottenstrasse 72
14467 Potsdam

Tel.: 0331 – 241 6702
FAX: 0331 – 241 6700
Email: jhierholzer@klinikumevb.de
Impressum
Kontakt

Auswahl der Patienten

Die perkutane Vetebroplastie ergänzt das Spektrum der schmerztherapeutischen Bemühungen und sollte daher in die differentialtherapeutischen Überlegungen aufgenommen werden.
Die Auswahl der geeigneten Patienten und die Abgrenzung nicht geeigneter Schmerzzustände stellt dabei die wesentliche Herausforderung dar, die allerdings durch eine systematische Exploration bewältigt werden kann.
Die umfassende Anamneseerhebung geht ebenso wie die sorgfältige symptomorientierte körperliche Untersuchung den bildgebenden Verfahren voran. Ergeben sich dabei Hinweise für eine neurologische Symptomatik, empfehlen wir ein neurologisches Fachkonsil; dies erscheint auch unter forensischen Aspekten im Hinblick auf mögliche neurologische Symptome als Folge von Komplikationen der Vertebroplastie sinnvoll.
In Ergänzung hat sich die klinische Klopfuntersuchung der Wirbelkörper unter seitlicher Röntgendurchleuchtung bewährt (16). Die schmerzhafte Region wird auf der Haut markiert. Das Sequenzprotokoll umfasst zunächst eine sagittale T1-gewichtete Untersuchung der gesamten Wirbelsäule. Daran schließt sich eine gezielte Untersuchung der schmerzhaften Region in fett-unterdrückter T2-Gewichtung an. Nur in Ausnahmefällen werden weitere Ebenen bzw. die kontrastverstärkte MRT notwendig. Typischerweise zeigen frisch gesinterte schmerzhafte Wirbelkörper aufgrund der Ödembildung eine pathologisch erhöhte Signalintensität in den fettunterdrückten T2-gewisschteten Sequenzen. So gelingt es, frische von älteren Sinterungen zu Differenzierung um den zu behandelnden schmerzauslösenden Wirbelkörper genau zu identifizieren (2, 16). Durch spezielle dynamische MRT-Untersuchungen mit Kontrastmittelgabe ist es darüber hinaus möglich, die Frakturgefährdung befallener Wirbelkörper u beurteilen (23). Die Integrität der Wirbelkörperhinterkante ist für die perkutane Vertebroplastie von entscheidender Bedeutung. Die Zement-Leckage in den Spinakanal und die damit verbundene Gefahr der Kompression des Myelons stellt die am meisten ernstzunehmende Komplikation der Vertebroplastie dar (15). Daher fertigen wir in Fällen, bei denen n der MRT die Hinterkante nicht eindeutig zu beurteilen ist, eine gezielte Computertomographie an. In einigen Fällen ergibt die Diagnostik, dass multisegmentale Wirbelkörperveränderungen Ursache der Schmerzen sind; in diesen Fällen werden demnach auch mehrere Wirbelkörper in einer Sitzung behandelt. Nach unserer Erfahrung war es bisher nicht notwenig, mehr als drei Wirbelkörper gleichzeitig zu behandeln.

Quelle: J. Hierholzer et al. - Die perkutane Vertebroplastie - Dtsch Med Wochenschr 2003; 128: 673-676 - Georg Thieme Verlag Stuttgart

170492 visits170492 visits170492 visits170492 visits170492 visits170492 visits